Leistungen ermöglichen und wahrnehmen – 6 Zitate

Kürzlich ist das aktuelle Jahresheft bei Friedrich erschienen, das sich dem Thema »Leistung: ermöglichen und beurteilen« widmet. Ich wollte schon letzte Woche darauf hinweisen, habe dann aber den Newsletter falsch gespeichert. Aus diesem Grund liste ich heute fünf Zitate aus dem insgesamt lesenswerten Heft auf, die verschiedene Aspekte von dem zeigen, was in der Schule als »Leistung« bezeichnet wird.  

  1. »Wenn Leistungsstärke oder -schwäche nicht als genuine Eigenschaft eines Individuums, sondern als Zuschreibung anhand ständiger und kontingenter Bewertungen verstanden wird (überspitzt ausgedrückt, wird Leistungsstärke oder -schwäche also „hergestellt“), lohnt es sich, die Entstehung und Festigung solcher Zuschreibungen genauer anzusehen: Von Seiten der Schüler:innen sind für positive Zuschreibungen sog. Imagepraktiken hilfreich, also sich selbst als fleißig, klug und aufmerksam zu inszenieren, was nur hilft, wenn dieses Image von der Lehrkraft anerkannt wird. Dabei spielen auch Kulanzpraktiken eine wichtige Rolle, wenn die Lehrerin bzw. der Lehrer großzügig über Fehler hinwegsehen, ungenaue Antworten korrigieren oder nur ‚gute Leistungen‘ betonen, die schwächeren einklammern. Wird Kulanz unterschiedlich verteilt und dafür gibt es Hinweise, können sich Leistungszuschreibungen festigen – unabhängig von der tatsächlichen Performanz der Schüler:innen.« 
    Anja Bräu, Leistungszuschreibungen und Leistungsbewertung, S. 11
  2. »Der Haupteinwand gegen eine Ausdeutung von Bildungsgerechtigkeit als Leistungsgerechtigkeit ist, dass Schülerinnen und Schüler in aller Regel noch unmündige Menschen sind, die als nicht (völlig) eigenverantwortlich für ihre bildungsbezogenen Handlungen und Leistungen angesehen werden können. Daher können die durch Schulbildung nach Leistung zugeteilten Berufs- und Aufstiegschancen nicht als „selbstverdient“ bzw. „selbstverschuldet“ betrachtet werden.«
    Krassimir Stojanov, Warum »Leistung« kein tragendes Prinzip von Bildungsgerechtigkeit sein kann, S. 20
  3. »Die Schule kann gar nicht anders, als den von ihr gefällten Notenentscheidungen eine rituelle Glaubwürdigkeit zu verleihen, wenn sie nicht selbst unglaubwürdig werden will. Wollte man tatsächlich den Schulnoten ihren Schrecken nehmen, müsste man die selektive Struktur des Systems antasten.« 
    Winfried Kronig, Wenn die Schulklasse die Note mitbestimmt, S. 31
  4. »Kinder brauchen gute Schulen, die mit Vielfalt und Diversität proaktiv umgehen, also Individualität als Frucht eines reziproken Anerkennungszusammenhangs fördern, der die Zugehörigkeit zu einer schützenden Gemeinschaft gewährleistet. Das ist die wichtigste humane Quelle für die Bewältigung kommender Aufgaben und nicht vorhersehbarer Krisen – auch gesellschaftlich. An die Stelle der Konkurrenzgesellschaft müsste eine Kultur der Solidarität treten.« 
    Peter Fauser, Wohin mit der Leistungsbeurteilung, S. 33
  5. »Durch die grundlegende Orientierung heutiger Gesellschaften an „Leistung“ wird unter Hinweis auf das meritokratische Prinzip („Wer viel leistet, verdient viel“) soziale Ungleichheit zugleich auch legitimiert – gleichermaßen numerisch abgesichert –, und zwar in dem Maße, in dem sie z.B. unterschiedliche Einkommen oder differierenden sozialen Status akzeptiert.«
    Häcker/Feindt, Professioneller Umgang mit Leistungen?, S. 36
  6. »In einer Kultur der Gemeinschaftlichkeit und Partizipation werden Lehrkräfte selbst kreativ, sie kommunizieren, kollaborieren und treten in einen kritischen Diskurs mit dem Bestehenden.«
    Drewes/Zumbansen, Leistung und Feedback im digitalen Raum, S. 83
VANILLÉ VIOLA TOPHINKE, Zwischen Durck und Verzweiflung, S. 74

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