Wie ein System ohne Bewertung zu Erfolgen führt – das Beispiel Norwegen

Kürzlich bin ich auf Instagram auf einen witzigen Beitrag gestossen, in dem Europäer:innen einer US-Amerikanerin erklären, was sie mit ihren Kindern am Wochenende machen. Eine Norwegerin schrieb das:

Betrachtet man den Zusammenhang weniger humoristisch, dann stellt sich die Frage, wie der sportliche Erfolg Norwegens zu erklären ist. An den olympischen Spielen 2026 sieht es drei Tage vor Abschluss so aus, als würde eine Nation mit knapp 6 Millionen Einwohner:innen alle anderen Länder klar dominieren.

Der Coach- und Trainingsexperte Steve Magness erklärt diesen Erfolg wie folgt (Übersetzung ohne KI von mir):

Keine Scores bis 13. Keine überregionale Wettkämpfe. Keine Pokale oder Medaille, ausser alle bekommen welche.
Motto: «Alle haben Freude am Sport.» 
Wir denken, härter und früher zu pushen führe zu Champions. Norwegen macht das Gegenteil. […]
Wenn du Druck auf ein Kind ausübst, verschiebt sich seine Motivation von innen nach aussen. Von «das mache ich gern» zu «das muss ich machen».

Selbstverständlich ist die norwegische Sportförderung sehr gut ausgestattet und stellt für Jugendliche professionelle Sportschulen zur Verfügung. Beides sind wichtige Faktoren für den grossen Erfolg des norwegischen Sports. Dennoch ist bezeichnend, dass auf Ranglisten und Ergebnisse systematisch und verbindlich verzichtet wird.

Das Beispiel widerlegt deshalb das immer wieder vorgebrachte Argument, dass Noten und erzwungene Vergleiche für Kinder hilfreich sind, um später Leistung zu erbringen. Magness' Einsichten gelten auch für die Schule: Wenn Kinder ohne Druck Freude am Lernen und kognitiver Arbeit entwickeln können, ohne dabei bewertet oder verglichen zu werden, dann ist das die Basis für eine enorme Leistungsfähigkeit unter Erwachsenen. Die Vorstellung, Leistungsbereitschaft entstehe nur unter Zwang, ist also falsch, ein Missverständnis.

Im Schweizer Fussball ist diese Idee zum Glück auch schon angekommen (auch wenn längst nicht alle Trainer:innen davon überzeugt sind). Zeit, dass sie auch in der Bildungspolitik Verbreitung findet.

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